Welche Unterstützung braucht Zusammenhalt in Zukunft?
Impulse aus dem Werkraum 2025
Die folgenden fünf Impulse haben 350 Teilnehmende des Werkraum Zukunft 2025 im Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern von Förderinstitutionen entwickelt. Sie haben sie am Ende der Veranstaltung aus über 70 Impulsen als die wichtigsten ausgewählt. Beim Werkraum Zukunft 2026 wollen wir diese weiter besprechen und vertiefen.
richtet sich an Förderer
Eine regionale Förderung kann langfristige Vorhaben und Prozesse in einer Region unterstützen und an einzelne und kurzfristige Projektförderungen anknüpfen. Außerdem kann sie die Zusammenarbeit von Partnern in einer Region befördern, anstatt dass die Akteure um Finanzmittel konkurrieren.
Beim Werkraum Zukunft 2026 wird dieser Impuls beim Werkstattgespräch „Wandel entsteht vor Ort: Der regionale Ansatz“ u. a. mit Manuel Slupina (Wüstenrot Stiftung) vertieft.
Wie muss daher eine regionale Förderung aussehen, die sich nicht auf ein Projekt beschränkt, sondern ein Netzwerk von Partnern an einem Ort oder in einer Region insgesamt voranbringen möchte? Eine regionale Förderung kann gut an vorhandene Vorhaben anknüpfen und diese vertiefen, um eine Kommune oder eine Region langfristig zu unterstützen, und die Aktiven dort weiterzubringen. Dafür benötigt eine regionale Förderung einen Überblick darüber, was vor Ort schon vorhanden ist, was bereits – meist im Rahmen von Projektförderungen – unterstützt wird und gut funktioniert. So kann ein besseres und tiefergehendes Verständnis über die Bedarfe in einer Region oder eines Netzwerks entstehen und eine regionale Förderung aufgebaut werden.
Wer macht das schon? ZukunftswegeOst, Aller.Land Programm, Wüstenrot Stiftung
richtet sich an Förderer
Viele wünschen sich mehr Vernetzung und mehr Zusammenarbeit. Dies braucht aber verlässliche Rahmenbedingungen, die es an vielen Orten noch nicht gibt. Um sie zu schaffen, braucht es Zeit und Ressourcen: Es braucht eine Phase 0. Der Begriff Phase 0 kommt aus dem Bauwesen und bezeichnet eine Vorbereitungsphase, die dem Beginn eines komplexen Projekts vorgeschaltet ist. Sie ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg komplexer Projekte. Die Förderung einer vorgelagerten Phase 0 erhöht die Chancen für eine nachhaltige Wirkung von Netzwerkvorhaben.
Wie sieht die Förderung einer Phase 0 aus, die komplexen Netzwerkvorhaben mehrerer Partner vorgeschaltet wird? Eine solche Phase 0-Förderung bringt die relevanten Beteiligten zusammen. In dieser Phase werden durch Zusammenarbeit und Erprobung die Bedarfe und Ziele aller Beteiligten ermittelt und in einem tragfähigen Konzept zusammengeführt. Es kann Neues ausprobiert und langfristige Partnerschaften aufgebaut werden. Und sie schließt eine Lücke im Fördersystem, denn Projektförderungen schließen Konzept- und Entwicklungsphasen meist nicht mit ein. Wer macht das schon?
Wer macht das schon? Dritte Orte NRW, Aller.Land Programm, Montag Stiftung
richtet sich an die Politik
Ein gutes Miteinander in einer Kommune oder Region lebt von Dialog, Begegnung und der aktiven Mitgestaltung durch die Menschen vor Ort. Dafür braucht es verlässliche Räume oder regelmäßige Gelegenheiten, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen, Engagement entsteht und Ideen eingebracht werden können. Diese „Dritten Orte“ sind unverzichtbare zentrale Infrastruktur für demokratische Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt – besonders in ländlichen Räumen.
Beim Werkraum Zukunft 2026 wird dieser Impuls auf einem Podium über die politische Dimension Dritter Orte in Dörfern und kleinen Städten u. a. mit Eva Nemela (Körber Stiftung) vertieft.
Deshalb sind Orte des Miteinanders unverzichtbar und es braucht sie möglichst an vielen Orten. Sie bündeln wichtige Funktionen der Daseinsvorsorge wie Bildung, Beratung, Kultur und Engagement. Bislang fehlt eine flächendeckende, strukturelle Absicherung. Bund, Länder und Kommunen sind gefordert, Orte des Miteinanders als dauerhafte Aufgabe anzuerkennen, die Aktiven beim Aufbau und Betrieb solcher Orte zu unterstützen, und Kommunen dahingehend handlungsfähig zu machen:
- Es braucht eine verlässliche Unterstützung und Grundfinanzierung für Orte des Miteinanders in allen Regionen – insbesondere auch im ländlichen Raum.
- Dafür sollten Unterstützungsstrukturen langfristig statt projektbasiert angelegt sein.
- Kommunalpolitik und -verwaltung sollten eine unterstützende, ermöglichende Haltung einnehmen und Räume für Mitgestaltung durch die Zivilgesellschaft aktiv stärken.
- Junge Menschen müssen gezielt Zugang zu solchen Orten erhalten und in deren Gestaltung eingebunden werden.
- Eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen z. B. Kultur, Soziales, Bildung und Stadtentwicklung sollte auf allen Ebenen befördert werden.
Wer macht das schon? Dritte Orte NRW, Orte der Demokratie Sachsen
richtet sich an die Kommunen und Zivilgesellschaft
Gemeinden und Landkreise sind die ersten Ansprechpartner für die Menschen vor Ort. Daher sollten Kommunen nicht nur verwalten, sondern gleichermaßen gestalten können. Dafür ist wichtig, dass sich Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Landrätinnen und Landräte für eine Ermöglichungskultur in der Verwaltung und für eine Kultur der Zusammenarbeit von Verwaltung und Zivilgesellschaft einsetzen.
Beim Werkraum Zukunft 2026 wird dieser Impuls beim Werkstattgespräch „Zusammenhalt gestalten: Wie Kommune und Engagement gutes Miteinander gestalten“ u. a. mit Dominik Brasch und Lukas Daum (Netzwerk junge Bürgermeister) vertieft.
Was brauchen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Landrätinnen und Landräte konkret dafür? Wenn Kommunen mit Initiativen und Vereinen zusammenarbeiten, stärken sie das Vertrauen der Menschen in die Demokratie und die verantwortlichen Personen und werden dadurch nicht nur als Prüfinstanz wahrgenommen. Kommunen brauchen Personal, finanzielle Mittel und den notwendigen Spielraum seitens der Länder und des Bundes. Aber auch jenseits von Geld können Kommunen starke Partner sein, etwa indem sie Personal, Räume und Wissen bereitstellen oder Netzwerke betreuen.
Wer macht das schon? Netzwerk Zukunftsorte, Netzwerk junge Bürgermeister*innen, Starke Orte Netzwerk
richtet sich an die Unternehmen und Zivilgesellschaft
Viele Initiativen sind sich der Knappheit öffentlicher Mittel bewusst. Sie bemühen sich darum, Unternehmen als Partner zu gewinnen. Unternehmen, die sich als Teil des lokalen Gemeinwesens verstehen, wollen aber mehr sein als Geldgeber: Sie wollen wirksam werden und sich einbringen.
Beim Werkraum Zukunft 2026 wird dieser Impuls beim Werkstattgespräch „Unternehmen als Partner gewinnen. Leichter gesagt als getan?“ u. a. mit Charlotte Müller (Bürgerstiftung Dresden), Christian Steiner (Batix Software, Saalfeld), David Theobald (Diakoniestiftung Thüringen) und André Koch-Engelmann (UPJ) vertieft.
Wie sieht das in der Praxis eines Unternehmens in einer ländlichen Region aus? Wie können langfristige Partnerschaften zwischen Zivilgesellschaft und Wirtschaft gelingen? Es braucht gemeinsame Ziele. Daraus kann eine wachsende Zusammenarbeit entstehen, angefangen bei der gemeinsamen Nutzung von Räumen und Ressourcen, bis hin zu gemeinsamen Projekten von Initiativen und Belegschaften. Beispielsweise können auch privat-öffentliche Fördermodelle erprobt werden, die mehr Flexibilität ermöglichen und die Wirkung der eingesetzten Mittel erhöhen.
Wer macht das schon? ProjectTogether: WelcomeAlliance, BBE: Unternehmen & Engagement, UPJ e. V.
An den Impulsen für die Förderlandschaft in ländlichen Regionen haben mitgearbeitet:
Sebastian Heinrichs, ProjectTogether / Dorothea Kerrutt, Körber-Stiftung / Ulrike Reichart, Bündnis der Bürgerstiftungen Deutschlands / Louisa Riedel, Beisheim Stiftung / Manuel Slupina, Wüstenrot Stiftung / Jennifer Tharr, DROSOS Stiftung / Lisa Veyhl, Robert Bosch Stiftung / Samo Darian & Vincent Maurer, Aller.Land.
Über die ausgewählten Impulse hinaus gingen aus dem Werkraum Zukunft 2025 weitere konkrete Ideen für den Zusammenhalt in ländlichen Regionen hervor.
Gute Ideen
Bereichsübergreifende Zusammenarbeit wird wichtiger. Dies betrifft auch die Förderlandschaft. Eine Chance besteht darin, dass sich öffentliche Förderer und private Stiftungen regelmäßiger austauschen. Hier braucht es jemanden, der dazu einlädt.
Menschen aus Vereinen oder Initiativen sitzen zwar schon in Jurys und Beiräten, jedoch sind sie bei der Entwicklung von Förderprogrammen meist nicht am Tisch. Die Einbindung der zukünftig Geförderten kann passgenaue Maßnahmen und eine niedrigschwellige Antragstellung befördern. Dadurch kann ein kontinuierlicher Dialog zu einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Fördernden und Geförderten führen.
Um die Realitäten anderer Regionen mitdenken zu können, muss man diese erleben: Ein fester Arbeitstag im Monat steht z. B. Mitarbeitenden von Behörden, Verwaltungen oder Ministerien zum Besuch eines Projekts oder einer Institution in einer ländlichen Region zur Verfügung. Wichtig: ohne weitere Begründung, und die Fahrtkosten werden erstattet.
Bürgerstiftungen in Dörfern können die Dorfgemeinschaft stärken, indem sie Projekte unterstützen und ehrenamtliche Arbeit koordinieren. Ihre Finanzierung erfolgt langfristig durch Spenden und Erbschaften, während Ehrenamtliche die Projektarbeit durch ihre Zeit ermöglichen. Solche Bürgerstiftungen sind oft klein und benötigen organisatorische und rechtliche Unterstützung. Diese Unterstützung können größere Dach-Bürgerstiftungen für Regionen oder ein ganzes Bundesland leisten und hierfür eine öffentliche Anschubfinanzierung erhalten.








